Blackbox.blog #2 - Die Archäologie in einer Blackbox?

Laura Vormann

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March 7, 2022

Unser Projekt trägt den Titel “Museum als CoLabor. Öffne die Blackbox Archäologie!”. Aber was soll das eigentlich bedeuten? Warum ist die Archäologie eine Blackbox? In diesem Beitrag wollen wir erläutern, weshalb wir uns für die Metapher der schwarzen Kiste entschieden haben.

Die Archäologie ist als Praxis nur selten Gegenstand des Wissenstransfers. Archäologische Arbeitsprozesse – wie z.B. die Erstellung von Profilen bei Ausgrabungen, die Erschließung von Funden und Befunden, die Typologie, Material- und Altersbestimmung, um zu Erkenntnissen über die Vergangenheit zu gelangen – bleiben vor den Besucher:innen von Ausgrabungen oder Museen zumeist verborgen. Die verschlungenen Wege von Artefakten zwischen ihrer Fundstelle bis zu ihrer Ausstellung im Museum sind für Nicht-Archäolog:innen selten nachzuverfolgen.

Profilzeichnen bei einer Ausgrabung in Haltern am See

Wie kommen Archäolog:innen vom Objekt zur Objektgeschichte? Warum ist der Kontext, in dem ein Objekt gefunden wird, für die Interpretation zentral? Wie lässt sich aus Fund und Befund die Vergangenheit rekonstruieren? Was geschieht in einem Archäologischen Depot oder in einer Restaurierungswerkstatt? Von alledem erfährt die Öffentlichkeit in der Regel nichts. Es sind Prozesse, die im Verborgenen stattfinden – in einer Blackbox, die nicht einsehbar ist. Wie der Flugschreiber einer Passagiermaschine, der seine Geheimnisse nur speziellen Expert:innen offenbart, die verstehen ihn auszulesen.

Dies ist gewissermaßen ein Paradox. Denn die Öffentlichkeit verbindet mit Archäologie vor allem das Suchen, das Entdecken und das Sichtbarmachen.

Die Archäologie steht für viele für die Spurensuche und das Lösen von Rätseln. Popkulturelle Perspektiven auf die Archäologie lassen diese zuweilen als abenteuerliche Detektivarbeit erscheinen, z.B. wenn der Leinwand-”Held” Indiana Jones sich auf die Suche nach verschollenen Schätzen begibt. Dass Archäologie allerdings ohne Geheimgänge, Schusswaffen und Verfolgungsjagd auskommt, sondern vielmehr eine analytische Kulturwissenschaft ist, soll im Rahmen des Projekts gezeigt werden – durch das Öffnen der Blackbox Archäologie.

Die Prozesse archäologischen Forschens sollen von der Ausgrabung über die Dokumentation, die Objektverwaltung und -analyse bis hin zur Interpretation für Interessierte sichtbar und erlebbar gemacht werden, ohne dabei die notwendige Pflicht und Fürsorge gegenüber dem kulturellen Erbe zu verletzten. Unser Lösungsansatz liegt daher im Digitalen. Denn hierin liegt ein Potenzial, Dinge und Räume originalgetreu zu reproduzieren, Nutzer:innen in diese Räume geradezu eintauchen zu lassen.

Nur ein Beispiel: In einem virtuellen Raum ist es möglich, ein archäologisches Artefakt selbst “in die Hand” zu nehmen, das in der “realen” Welt hinter einer Vitrine liegt. Mit den richtigen Werkzeugen und Informationen kann man es selbst untersuchen, vermessen, wiegen, rekonstruieren und einen Kontext herleiten: Was ist es? Wo kam es her? Wie alt ist es? Wer hat es hergestellt? Wofür wurde es benutzt? All dies sind Fragen, die sich Archäolog:innen in der Praxis stellen.

Archäologie zum Greifen nah

Wir wollen im Rahmen des Projekts digitale Anwendungen entwickeln, die einem breiten Publikum die sinnliche, interaktive Erfahrung der archäologischen Praxis ermöglichen. Dabei setzen wir auf Gamification: digitale Spiele sollen Wissensvermittlung und Spaß miteinander kombinieren. 

Bei der Entwicklung dieser digitalen Anwendungen arbeiten wir von Anfang an eng mit den späteren Nutzer:innen zusammen. Im nächsten Blogbeitrag wird es daher um CoLabor, Co-Creation und die Rolle unseres Bürger:innen-Beirats gehen.